|
Стенографическiй отчетъ изъ судовой росправы по дЪлу Ольги Грабарь и товарищей |
|||||||||
| Главная | Движения | Регионы | Деятели | Ссылки | Отзывы | Форум | |||
| |||||||||
|
105 |
|
Продолженіе сознанія Ольги Грабарь.
Предс. Vorgestern waren Ihnen Ihre Aussagen vorgelesen worden. Ich habe noch einige Fragen zu stellen. Sagen Sie mir, haben Sie Briefe von Ihrem Bruder aus Petersburg auch durch Vermittlung einer dritten Person bekommen? Ольга Гp. Nein. Предс. Hat Ihnen nicht Wladimir Naumowicz solche Briefe zugeschickt? Ольга Гp. Nein. Предс. Haben Sie an Jemanden auch einen Geldbrief von Ihrem Bruder geschickt? Ольга Гp. Nein. Предс. Аn Trembicki mit 25 fl.? Ольга Гp. Nein. Предс. Sagen Sie mir,—zu Protocoll, das Ihnen vorgestern vorgelesen wurde, haben Sie behauptet, dass Wladimir Naumowicz bei Ihnen im Sommer vorigen Jahres durch 2 Wochen geweilt hat; er behauptet aber dass er höchstens 6 Tage gewesen ist? Ольга Гp. Das ist möglich. Ich kann mich nicht genau erinnern. Ist möglich. Jedenfalls hat er sich längere Zeit aufgehalten. Предс. Wie er bei Ihnen im vorigen Jahre in Czerteż war, war er Niemandem bekannt. Was war die Veranlassung dass er bei Ihnen war? Ольга Гp. Wir haben immer mit derlei Leuton zu thun. Предс. Sagen Sie mir, war er auch in Lemberg bei Ihnen? Ольга Гp. Ja er war. Предс. Zu welcher Zeit und wie oft? Ольга Гp. l oder 2 mal wann, dies kann ich mich nicht erinnern. Предс. War es März oder Vakanzzeit? Ольга Гp. Daran kann ich mich nicht erinnern. Предс. No das geht nicht recht möglich. Haben Sie ihm auch Briefe zugeschickt. Ольга Гp. Ja. Предс. Ihre Briefe oder von Ihrem Bruder? Ольга Гp. Von meinem Bruder. Предс. Haben Sie gekannt den Francisci? Ольга Гp. Nein. Ich habe ihn vor meiner Verheiratung gesehen sonst nicht, das wird vor 19 Jahren gewesen sein. Dann war sein Vater ein Bekannter von uns. Предс. Und dann haben Sie ihn niemals gesehen? Ольга Гp. Nein. Предс. Haben Sie vielleicht die Correspondenz Ihres Bruders mit ihm vermittelt? Ольга Гp. Nein. Предс. Wie Sie aus der Anklageschrift wissen, war Ihro Correspondenz in der kurzen Zeit und zwar vom l November vorigen Jahres bis 19 (31) dieses Jahres sehr lebhaft, sehr rege. Es zeigt sich, dass Sie in der Zeit vom 1. November vorigen Jahres bis 19 Jänner dieses Jahres 107 recommanclirte Briefe hier aufgege-ben haben, und zwar ist das bestätigt durch die Postrezepisseń, welche bei Ihnen vorgefunden wurden, darunter waren 38 Briefe, welche an Ihren Bruder in Petersburg geschrieben waren. Was möchte der Grund dieser so regen Correspondenz gewesen sein? Ольга Гp. Ich führe immer eine rege Correspondenz. Предс. War das blos Correspondenz zwischen Ihnen und Ihrem Bruder oder war das auch eine Vermittlung einer dritten Person? Ольга Гp. Zum Theil waren das auch andere Briefe. Предс. Zu Protokoll naben Sie gesagt, dass Sie gerne sehen Briefe aus Kussland. Ich werde jetzt vorlesen das Verzeichniss dieser Postrezepisseń; liest. Es handelt sich darum, dass es sehr auffallend ist, dass die Correspondenz so rege war? Ольга Гp. Ich führe immer eine rege Correspondenz. Предс. Sagen Sie mir, waren diese Briefe von Ihnen geschrieben worden, oder hat sie jemand anderer geschrieben, namentlich ob nicht darunter Briefe waren, die der Vater geschrieben hat? |
|
106 |
|
Ольга Гp. Es war ein Brief an Pobiedonoscew und nach Triest an Ribano und Sekera. Предс. Sagen Sie mir, wo sind dies Recepissen gefunden worden, sind sie unter den Schriften des Vaters oder in Ihrem Kasten vorgefunden worden? Ольга Гp. Bei mir. Предс. Wie kommen sie zu Ihnen? Ольга Гp. Der Vater schreibt sehr selten, manchmal schrieb er und da habe ich veregessen die Recepissen dem Vater abzugeben. Предс. Wer hat meistens die Briefe aufgegeben. Ольга Гp. Der Lakai. Предс. Es zeigt sich, dass Sie sie besorgt haben. Ольга Гp. Das ist gleichgültig. Ich war zweimal auf der Post. Gewöhnliche Briefe habe ich selber hineingeworfen, die recomnmndirten hat immer der Lakai besorgt. Предс. Haben sie auch nicht rekommandirte Briefe an diese Personen abgeschickt, oder imraer recommandirte? Ольга Гp. Immer rekommandirte. Предс. Es ist hier ein Verzeichniss der recommandirten Briefe, weiche unter der Adresse des Adolf Dobrzanski und Olga Hrabar angekommen sind und zugestellt wurden, und zwar 37 Correspondenzen an Olga Hrabar aus Russland. Sagen Sie mir hat der Vater gewusst von Ihrer Correspondenz? Ольга Гp. Er wusste so viel, dass grosse Auslagen auf die Post gemacht wurden. Предс. Hat er Bemerkungen darüber gemacht? Ольга Гp. Ja. Предс. Wie oft? Ольга Гp. Er hat vielleicht dreimal davon erwähnt. Предс. Wie Sie aus der Anklageschrift wissen, haben Sie diese Briefe, welche an Sie adressirt waren, selbst bekommen. Ольга Гp. Meistenteils. Предс. Es zeigt sich aber, dass Sie beim Lesen sehr vorsichtig waren, sie haben das Zimmer verriegelt und dann erst gelesen. Ольга Гp. Ich kann es doch thun!?... (улыбается). Предс. Es kann lächerlich sein, aber Sie wissen es doch, dass ein derartiger Fall vorgekommen ist. Ольга Гp. Nein. Предс. Das werden Sie aas der Aussage des Zeugen erfahren. Ольга Гp. Mir ist es vollkommen gleich giltig. Предс. Dann, trenn Sie nur darauf gedacht hätten, würde man bei Ihnen keine Correspondenz vorgefunden haben. Ольга Гp. Ist mir vollkommen gleich. Ich habe wirklich nicht geahnt, dass bei mir ein ö Revision wird vorgenommen werden. Предс. Besonders war das der Anlass, als Sie als die Revision vom Polizeikommissär vorgenommen wurde, gerade damals 6 Briefe in den Ofen geworfen haben. Ольга Гp. Ich habe geglaubt, dass es erlaubt sei... Предс. Das zeigt aber, da Sie in einer Zeit, wo der Polizeikommissär gekommen ist, die Briefe in den Ofen geworfen haben, dass Sie somit befürchtet haben, dass die Briefe in die Hände des Polizeikommissärs kommen würden. Ольга Гp. Nein! Durchaus nicht. Предс. Aus dera, was ich da vorgehalten habe und was vorgelesen wurde zeigt sich, dass Ihre Сorrespondenz im Ganzen sehr geheim war, namentlich da Sie, wie Sie selbst sagten, alle Briefe recommandirteu, sonach besorgt waren, dass sie nicht in fremde Hände gelangen, dass Sie die Absenclung dieser Briefe durch Vermittlung dritter Personen besorgten. Dena da Sie den Inhalt mancher Briefe hier nicht aufklären wollen oder nicht im Stande sind, so zeigt sich, dass diese ganze Correspondenz zwischen Ihnen, Ihrem Bruder und dritten Personen, zwischen welchen sie diese Correspondenz vermittelten, geheim gewesen ist. Ольга Гp. Durchaus nicht. Предс. Sie sagen durchaus nicht, ich sage jedoch, dass sie geheim gewesen ist, deshalb, weil Sie den Inhalt nicht aufklären wollten und doch den Inhalt wissen mussten. Ольга Гp. Ich musste nicht wissen, und habe an den Bruder geschrieben, er solle mir aufklären. Предс. Gerade schon daraus ersieht man, dass es geheim gewesen ist und eben deshalb sind Sie strafbar. Sie wissen und wussten den Inhalt der Correspondenz: darauf deutet der Inhalt hin, namentlich, wo Sie in einem Briefe an einen gewissen Pater Iwan schrieben: „...es wird schon von selbst kommen..." Ольга Гp. Nein, es ist blos ein Concept. Предс. Aber dieses Concept hat doch eine Bedeutung. Gerade deshalb, weil in diesem Schreiben die Personen blos mit Anfangsbuchstaben bezeichnet sind zeigt sich, dass das ganze Unternehmen Ihnen bekannt war, dass Sie eingeweiht waren; — denn sonst würde der Bruder ganz ausdrücklich und offen den Namen genannt haben. Ольга Гp. Es kann kein strafbares Unternehmen gewesen sein, weder gegen die russische noch gegen die Österreichische Regierung. Предс. Schauen Sie, — wäre der Inhalt dieser Correspondenz nicht strafbar und gefährlich, so bedürften sowohl Sie als der Bruder nicht dieser so zeit-und geldraubenden Vermittlung. |
|
107 |
|
Ольга Гp. Weil es diesen Personen nicht angenеhm war, Briefe direkt aus Petersburg zu bekommen. Предс. Woher wissen Sie das? Ольга Гp. Das ist sehr natürlich. Es ist sogar meine Correspondenz mit meinem leiblichen Bruder aufgefallen. Предс. Sie ist so lange nicht aufgefallen, bis Sie sie nicht in den Ofen warfen. Ольга Гp. O!... Предс. Der Grund und die Veranlassung, war der Umstand, dass Sie angesichts des Polizeiagenten es zu verbrennen versuchten. Sie wissen, dass der Bruder steckbrieflich verfolgt war? Haben Sie es damals auch gewusst? Ольга Гp. Ja. Предс. Wann haben Sie es gewusst? 0льгa Гр. Das kann ich mich nicht erinnern. Предс. Schauen Sie, Sie widersprechen sich, indem sie gesagt haben, dass der Vater es damals nicht gcwusst hat? Ольга Гp. Er hat nicht gewusst. Der Vater hat gemeint, dass der Prozess zu Eude ist. Предс. Das ist was anderes aber... Ольга Гp. Ich musste das. Предс. aber er dachte, dass er aufgehoben ist? Ольга Гp. Dass nämlich die steckbriefliche Verfolgung aufgehört hat. Предс. Das bestätigte sich nicht. Sagen Sie mir noch weiter, haben Sie auch die Correspondenz mit dem Pfarrer Rakowski vermittelt? Ольга Гp. Ja. Предс. Mit J. Sokołów auch? Ольга Гp. Einen Brief. Предс. Was war der Grund dieser Vermittlung? Jener ist Pfarrer in Isa in Ungarn und Sokołów auch nicht in Galizien... Ольга Гp. Wie ich den Brief erhielt, glaubte mein Bruder, er sei in Lemberg. Предс. Zur Zeit wo er in Ungarn war, haben Sie an ihn einen Brief befördert? Ольга Гp. Nein. Предс. Was hat der Bruder damals an ihn geschrieben? er konnte ja, als er nach Czerteż sich begab, nach Petersburg fahren? Ольга Гp. Er konnte wirklich. Предс. Und was war der Grund, dass Sie die Briefe abschickten? Ольга Гp. Weil man einen Brief geöffnet hat. Предс. Wer kat es Ihnen gesagt oder hat es Rakowski geschrieben? Ольга Гp. Ich weiss nicht ob der Bruder oder Rakowski. Предс. Sagen Sie mir noch. Sie haben da gestern gesagt, dass Sie einen Brief, den Pater Rakowski an Płoszczański geschrieben hat, nicht abgegeben haben. Ольга Гp. Ir hat ihn nicht angenommen. Предс. War Płoszczański nach seiner Rückkehr aus Russland bei Ihnen gewesen oder nicht? Ольга Гp. Ich kann mich nicht erinnern. Предс. Hat er Ihnen nicht vielleicht damals nach seiner Rückkehr einen: Geldbetrag gegeben? Ольга Гp. Erinnere mich nicht. Предс. Hat Ihnen auch der Bruder nicht etwa geschrieben, dass Ihnen der Płoszczański eine Schuld abzugeben habe? Ольга Гp. Erinnere mich nicht. Предс. Denn Płoszczański gibt an, dass er im vorigen Jahre im Dezember in Petersburg war und dass er damals vom Bruder 10 Rubel ausgeliehen habe, damit sie ihm auf Reisekosten ausreichen, dass er nun nach seiner Rückkehr bei Ihnen gewesen ist und Ihnen abgegeben habe. Ольга Гp. Das iat möglich. Предс. Errinnern Sie sich dessen nicht? Ольга Гp. Ja das kann sein. Ich habe mit ihm aber gar nichts gesprochen. Предс. So haben Sie auch nicht gewusst, was für ein Betrag es gewesen ist, — denn ich habe Sie gefragt, ob der Bruder was geschrieben hat. Ольга Гp. würde das gesagt haben, aber ich erinnere mich nicht. Das mag nicht unmöglich sein. Предс. Ihr Vater war in Russland einmal, und in Wien einmal, in welcher Zeit konnte es gewesen sein? Ольга Гp. Ich weiss nicht. Предс. Im vorigen Jahre? Ольга Гp. Das war schon laugst. Предс. Vor etlichen Jahren? Сов. Маевскій. Ist es Ihnen bekannt, dass er mehrere Mal dahin verreist war? Ольга Гp. Einmal. Предс. Wie er behauptet im Jahre 1875. Wissen Sie nicht, in welcher Angelegenheit er in Wien und in Russland gewesen ist? Ольга Гp. Ich weiss nicht in welcher Angelegenheit er gereist war. Предс. Sagen Sie mir, wann Sie von der hniliczker Geschichte erfahren haben und woher? Ольга Гp. Aus der Zeitung. Предс. Schauen Sie, die Gemeinde Hniliczki hat die Eingabe in Betreff des Uibertrittes zum griechisch-orientalischen Ritus am 25. Dezember 1881 bei der Bezirkshauptmannschaft in Skałat, und nachher beim griechisch-katholischen Consistorium und gr. or. Consistorium in Czernowitz überreicht. Es zeigt sich aber, dass Sie schon früher davon gewusst haben, nachdem in diesem Schreiben das Ihnen gestern vorgehalten wurde, das Datum 23. Dezember zu lesen ist. |
|
108 |
|
Ольга Гp. Das ist nicht richtig—4. Jänner. Предс. Sagen Sie mir noch das. Wie Sie zu Protocoll vernommen worden sind wegen der Correspondenz mit Pfarrer Naumowicz haben Sie einmal gesagt: (das ist §.10), „Ich habe mit ihm correspondirt, die Correspondenz war ganz privater Natur." Ольга Гp. Dass ist nicht richtig. Предс. (fahrt fort). Danu das zweite Mal (das ist §. 74). „Ich habe mit ihm correspondirt, aber worüber kann mich nicht erinnern. Vorgestern haben Sie wieder gesagt: „Ich habe gar nicht an ihn geschrieben." Das erste Mal haben Sie sogar den Inhalt bezeichnet; dagegen, das zweite Mal „Sie erinnern sich nicht", aber das dritte Mal läugnen sie Alles. Ольга Гp. Ich dachte, es ist ganz gleich giltig, das ist alles eins. Предс. Allenfalls ein Widerspruch. Haben Sie Ihre Briefe datirt nur nach dem alten Kalender? Ольга Гp. Meistentheils. Предс. Nach Russland, nach dem alten Kalender? Ольга Гp. Immer. Предс. Sagen Sie mir noch weiter, wie lange ist der Iw. Sokołów in Czerteż gewesen? Ольга Гp. Das kann ich nicht sagen, ich denke, er war einige Wochen. Предс. Sie haben gesagt, er ist auf Einladung des Vaters hingefahren, um dort auszuruhen. (ПредсЪдатель отчитуетъ нЪсколько писемъ, относящихся къ Соколову и Ив. Ивановичу, а именно два письма Ольги Грабарь, одно письмо отъ ей матери, одно отъ сестры Елены, a затЪмъ три письма отъ сестры Ирины. ПослЪ того послЪдовало опять читаніе одного письма отъ матери, въ которомъ упоминается o Ставровскомъ и одного письма отъ сестры подсудимой ВЪры — вконцЪ же письмо отъ матери (безъ означенія дня) съ сообщенемъ объ отъЪздЪ Ив. Ивановича и Раковского). Wollen Sie mir Aufklärung geben, wer Stawrowski ist? Ольга Гp. Ich weise es nicht. ПредсЪдатель показуетъ вслЪдъ за тЪмъ подсудимой прочіи y ней захваченныи кореспонденцiи и рецеписы находящіися въ актахъ. Прокур. Erlauben Sie mir einige kurze Fragen. Die Correspondenz war rege, die nicht rekonimandirteu Briefe entziehen sich uns, dafür haben wir rekommandirte Briefe. Ich frage nur, warum haben Sie nach Russland so viele Briefe rekommandirt? Warum haben Sie die Briefe nach Ungarn rekommandirt? Ольга Гp. Ins Ausland habe ich die Briefe jedenfalls rekommaudirt. Прокур. Zählen Sie auch Ungarn zum Ausland? Ольга Гp. Nein. Прокур. Unter den Briefen die an Sie angekommen und bestellt worden sind, sind auch Briefe fremder Personen, deren Correspondenz wir nicht kennen. Können Sie nicht angeben, wie viele im Wege der Vermittlung waren? Ольга Гp. Sehr wenige. Прокур. Sehr wenige. Diejenigon, welche au sie bestellt worden sind, waren das nur an Sie? Ольга Гp. Ja, meistentheils. Прокур. Wollen Sie mir sagen. Da Miroslaus Dobrzański an Sie Briefe gelangen Hess und schrieb, den darin eingeschlossenen Brief Sie abzuschneiden und nach Czernowitz zu schicken, an Nyczaj u. s. w. so liegt doch der Schluss nahe, dass diese Briefe. offen waren, dass Sie sie lesen konnten? Ольга Гp. Nein. Прокур. Und wenn Sie solche gelesen haben, waren Sie auch rein privater Natur? Ольга Гp. Gewiss. Прокур. Wie meinen Sie es; der Ausdruck kommt sehr oft vor. Ольга Гp. Ich weiss nicht. Предс. Man hat aber eben gesagt, dass sie nicht rein privater Natur waren. Ольга Гp. Ich wusste es nicht. Прокур. Unstreitig besitzen Sie eine hohe Intelligenz und bei einer Person, wie Sie es sind, ist es schwer vorauszusetzen, dass Sie in so kurzer Zeit nicht im Stande wären, den Inhalt der Briefe aufzuklären, zumal sich durch die Verhandlung das weitere Beweismaterial herausstellen wird. Ольга Гp. Welche Beweise sind gegen mich da? Прокур. Dafür werden sich kaum die übrigen Angeklagten jeder privaten Natur enthalten können. Diese Correspondenz hatte insoferne einen politischen Charakter, als es sich um Nachrichten über Socialismus und Nihilismus handelte. Ольга Гp. Ich wusste doch nichts davon. Пpедc. Sie wussten nichts davon. Vielleicht könnten Sie doch aufklären, da Sie Briefe an Personen absandten, deren Namen Ihr Bruder blos theilweise signalisirte? Ольга Гp. Das ist nicht immer der Fall gewesen, meistens schrieb er wohin. Einen Brief wusste ich nicht wohin abzusenden, so habe ich ihn zurückgeschickt. Предс. Und die übrigen Briefe? Ольга Гp. Von den übrigen hat er mir in einem vorigen Briefe geschrieben, da wusste ich schon. |
|
109 |
|
Прокур. Sie sagen, die Briefe waren rein privater Natur. Wie kommt es, dass Sie sich verаn-lasst fühlten, bei den einzelnen Adressaten anzufragen, ob sie diese Briefe erhielten, ungeachtet, dass Sie diese Briefe rekommandirten? Es kommen 2 Becepissen vor, an Kułaczkowski, welche sie reklam irten und überdies noch in einem folgenden Briefe nachfragten. Ольга Гp. Da mir der Bruder gerathen hat. Предс. Das werden Sie, glaube ich, aufklären. Прокур. Sie behaupten, die Adressaten sehen nicht gerne Briefe aus Eussland, deswegen schrieben sie nicht unmittelbar. Sie haben sehr selten geschrieben, es sind nur 3 Briefe. Предс. 3 Briefe. Ольга Гp. Ich weiss nicht genau, es waren nur sehr wenige. Предс. In einem Briefe an Sie heisst es und darauf lege ich besonderes Gewicht, dass er, wenn er Geld nach Hause schicken werde, einen Theil hievon aufbewahren und dann Ihnen persönlich zuschicken werde. Nun, wir wissen, Ihr Bruder hatte kein selbständiges Vermögen, wie er nach Russland hingefahren ist, er hatte gewiss keine Anstellung gehabt, was für ein Geld war es also, das er schicken wollte. Ольга Гp. Oft hat er es nicht geschickt. Предс. Aus den Briefen erhelltes, dass Ihr Bruder grossere Summen zur Verfugung hatte, da er sagte, wenn ich nach Hause schicke, werde einen Theil zurückbehalten; das Haus repräsentirt der Vater und einen Theil speziell für Sie. Ольга Гp. Warum, das ist wol möglich, weil mein Vater mir oft Vorwürfe machte, dass ich viel Geld auf die Post ausgebe, das habe ich ihm geschrieben und deshalb schickte er mir; so eine kleine Privatsache kommt auch zur Sprache! Прокур. Aber wie würde das im Zusammenhang stehen mit dem Wortlaute. Ольга Гp. Wie man meint. Прокур. Ich glaube, ein Betrag ist ein grös-serer Theil. Ольга Гp. No weil ich ihm geschrieben habe, dass der Vater mir Vorwürfe macht. Ich habe ihm überhaupt über alle Kleinigkeiten geschrieben und auch die kleinsten Details. Прокур. Dann kommt eine Bemerkung vor. "Dіе Juden bekommen nichts". Ольга Гp. Das weiss ich nicht. Прокур. Was für Juden sind das und warum bekommen sie nichts? Ольга Гp. Das weiss ich nicht. Прокур. Es ist auch die Rede von Hodowaj, 15000; es ist sehr warscheinlich, das Ihr Bruder darunter ganz was Anderes verstand; denn wir wissen aus seinen Briefen an einen anderen Angeklagten, dass er unter „Buch" österreichisches Geld und unter „Nowoje Wremia" Rubel verstand. Ольга Гp. Das ist. ganz was Neues. Прокур. Ihr Bruder Miroslaus Dobrzański wollte 2 Monate in Oesterreich weilen und längere Zeit in Czerteż. Sie waren dazumal auch dort. Zu derselben Zeit war auch Francisci, da ritten sie aus Könnten Sie nicht das Datum angeben? Ольга Гp. Nein. Прокур. Und wann er abreiste. Ольга Гp. Auch nicht. Прокур. Und später, wohin ist er aus Czerteż weggereist? Ольга Гp. Nach Wien und von Wien nach Lemberg. Прокур. Und von Lemberg dann? Ольга Гp. Ich weiss nicht. Vielleicht nach Russland. Прокур. Wissen Sie nicht, ob er über Galizien oder Ungarn gereist ist? Ольга Гp. (lachend). Ich weiss nicht, aber ich glaube über Ungarn. Прокур. Das ist ja ein Umweg. Ольга Гp. Er hat meine Schwester besucht und vom Vater hat er Abschied genommen. Прокур. War der Vater hier? Ольга Гp. Ja. Coв. Бушaкъ. Sie haben erwähnt, dass die Briefe, welche Ihr Herr Bruder beigeschlossen hatte, meistens an Wl. Naumowicz waren, dass Sie, wenn auch die Briefe nur mit Anfangsbuchstaben bezeichnet waren, wussten, was zu thun, weil Ihr H. Bruder im früheren Briefe angezeigt hat. Ольга Гp. Das war nur l mal. Coв. Бушакъ. Wie kommt es, dass Sie es thaten, als er vergessen hat, die Adresse beizuschliessen. Ольга Гp. Es war nur einmal der Fall; sonst hat er Adressen auch manchmal selbst geschrieben. Coв. Бушакъ. Sie haben gesagt, dass Sie oft selbst geschrieben haben. Ольга Гp. Vielleicht. Coв. Бушакъ. Nun so sagen Sie mir, was das zu bedeuten hat 2 Sw. N.? Ольга Гp. Ich sehe 2 Sw. N. Предс. Was kann es bedeuten? Ольга Гp. Das weiss ich nicht. Coв. Бушакъ. Sie haben die Frage des Staatsanwaltes, warum die Briefe aus Russland nicht gerne gesehen werden, beantwortet. Haben die Adressaten es Ihnen mitgetheilt? Ольга Гp. Das ist eine allgemein bekannte Thatsache. Coв. Бушакъ. Ich glaube wol, ihre Verwandten werden sich nicht scheuen. Haben Sie es auch erfahren oder ist es nur Ihre Meinung. |
|
110 |
|
Ольга Гp. Meine Meinung. Coв. Бушакъ. Von den Adressaten haben Sie es nicht gehört. Ольга Гp. Habe nicht gehört. Coв. Бушакъ. Die Briefe waren doch nicht sehr zahlreich. Ольга Гp. Sehr zahlreich nicht. Ich habe sehr wenige bekommen. Сов. Maeвскій. Hätten Sie eine so grosse Menge aufbewahrt, wenn Sie vermuthet hätten, dass es verdächtig ist. Ольга Гp. Gewiss nicht. Nicht einmal eine Zeitschrift hätte ich aufbewahrt. Сов. Maeвскій.Sie haben angegeben, dass Sie gewusst haben, dass Ihr Bruder verfolgt werde, aber Sie haben geglaubt, dass der Prozess zu Ende ist und er unschuldig. Auf einmal kommt der Polizeikommissär und fragt über Ihren Bruder und das Erste, was Sie thun ist, dass Sie die Briefe in den Öfen warfen. Ольга Гp. Welche ich in der Hand gehalten habe. Сов. Maeвскій.Hätten Sie es gethan auch ohne dem, dass der Polizeikommissär hereinkäme, ohne, dass Sie wissen, weswegen er kam; hätten Sie sie auch hieneingeworfen? Ольга Гp. In der ersten Aufregung habe ich die Briefe in der Hand gehalten und da hat er sich derselben bemächtigt. Сов. Maeвскій.Ich habe beim Verlesen der Briefe gehört, dass Sie Briefe an Ihren Bruder täglich schrieben; das kommt mir auffallend vor. Ольга Гp. Nicht nur täglich, sondern sogar 2 Briefe an einem Tage, auch an meine Mutter. Сов. Maeвскій.Was war der Gegenstand der Correspondenz, dass Sie sogar 2 mal täglich schrieben? Ольга Гp. Ich habe ihm die kleinsten Details im häuslichen Wesen beschrieben, Alles, das Geringste, was zu Hause vorging habe ihm geschrieben. Защ. д-ръ Луб. Es wurde von dem k. k. Staatsanwalte Ihre hohe Intelligenz hervorgehoben; dieser Umstand veranlasst mich, eine Frage an Sie zu stellen. Ich frage Sie nämlich, würden Sie die Correspondenz privat oder nicht. privat nennen? Wenn ein Bekannter oder sogar Unbekannter Jemandem eine angenehme Mittheilung macht, wie Ihr Bruder dein Treuibicki, werden Sie es privat oder nicht privat nennen? Ольга Гp. Jetzt nicht privat, früher ja. Предс. Ich will Ihnen nur vorhalten, was die Angeklagten und nicht Augeklagten gesagt haben. Was die Aussagen des Herrn Ogonowski betrifft, so haben Sie vorgestern Ihre früheren Aussagen geändert und haben gesagt dass Sie sich besser entsinnen. Aber Ihre früheren Aussagen waren im Widerspruche mit Ogonowski. Ольга Гp. Ich kann mich auch wahrlich nicht erinnern. Und nachdem man mich gedrängt hat, so habe ich gesagt, dass sie ohne Unterschrift waren, an Ogouowski und Wladimir Naumowicz. Предс. Früher haben Sie anders gesagt und namentlich, dass Sie die Correspondenzen an Herrn Ogonowski befleckt (?) unterschrieben haben, was Ogonowski nicht läugnet, namentlich da er keine Unterschrift in Briefen, die das Debüt betreffen, erhielt, dass im Uebrigen kein Brief der sonstigen Briefe mit Ihrer Unterschrift versehen war. Ольга Гp. Da hat er ganz Recht. Теперь говоритъ o. Огоновскій и констатуетъ сходность сознаній г-жи Грабарь со своими созваніями. Предс. до Трембицкого: Ma pan co powiedzieć? Тремб. Ja otrzymałem 25 złr. Предс. Ich muss Ihnen vorhalten, dass er auch unter anderen einen Geldbrief mit dem Betrage von 25 fl. von Ihnen bekommen hat. Предс. Czy był list pieniężny, czy zwykły, czy rekomendowany? Тремб. Tego nie wiem, nie mogę sobie przypomnąć, recepis najlepiej wskaże. Предс. Czy później nic pan nie dostał? Тремб. Przez panią Ol. Hrabar jeszcze jeden nierekomendowany. Предс. Otrzymane listy były innem pismem pisane jak adres? Тремб. Tak mnie się zdaje, pani Olga Hrabar nie zaprzeczy, że sama adresowała. Ольга Гp. Ich habe ihm gar nichts geschickt. Предс. Das deutet darauf hin, dass Sie die Adressen hatten, aber bezüglich des Briefes? Ольга Гp. Weiss ich gar nichts. Ничай: Ja dwa listy otrzymałem. Предс. Der Herr Nyczaj hat gesagt, Sie hätten ihm 2 Briefe geschick, und zwar den ersten Brief im Namen des Bruders, davon haben Sie auch erwähnt. Den zweiten im Monate Juni und der betrifft das Postdebüt. Ольга Гp. Kann mich nicht erinnern. Предс. до Ничая: Może pan jeszcze co powie? Hич. Стверджаетъ по колькоразовой перервЪ словъ черезъ г-на предсЪдателя, що получилъ два листы всего отъ г-на Мирослава Добрянского. Предс. Więc proszę pana, jeszcze się zapjtuję pana, pan przyznaje o dwóch listach mianowicie, że w pierwszymi wezwanym był pan o nadsyłanie sprawozdania o socialistach i nihilistach — od kogo był ten list? |
|
111 |
|
Ничай: Uważam, że był on od Mirosława Dobrzańskiego? Предс. Ale pan powiedział, że pierwszy list od Olgi Hrabar? Ничай: Tego nie powiedziałem. Предс. Zaraz zobaczymy. Шукаетъ за актами и читаетъ §.14 протокола: „W pierwszym liście, który od Olgi Hrabar otrzymałem, w którym ona imieniem swego brata pisała, była tam wzmianka, że żądał nadesłania czegoś o nihilistach." Предс. Читаетъ протоколъ изслЪдованія: §. 15 i 16. "List, który od p. Olgi Hrabar otrzymałem, spodziewam się, że jest obecnie w rękach sadu, listu tego nikomu nie pokazywałem i nie opowiadałem, mianowicie o treści," (до Ничая) а pan inaczej teraz mówi, dalej w §. 17. „W pierwszym liście ona imieniem brata prosi mnie o nadsełanie bratu artykułów o nihilistach, wspomina o nagrodzie jak poprzednio, w drugim liście, żem otrzymał debit pocztowy w Rossyi i że prenumerata będzie tam przyjmowana.." Ничай: Powiedziałem, że być może i tak powiedziałem przy pierwszein przesłuchaniu. Предс. Odwołujesz się pan na pierwsze przesłuchanie, powiem panu, coś pan tam powiedział. Читаетъ : „W r. 1881 przedstawił mi się jakiś młody człowiek jako Dobrzański, oświadczył, że jest w drodze do Czerteża, tenże oświadczył, że wydaje gazetę w Petersburgu i żądał bym mu artykuły o nihilistach pisywał; żądaniu temu nie odmówiłem i nie obiecywałem, powiedziałem, że do pisania o takich rzeczach nie jestem sposobny, otrzymałem podobnoś w 2 miesiące później od pani Olgi Hrabar zupełnie mi nieznanej, gdzie mnie prosi imieniem Mirosława Dobrzańskiego o sprawozdania." Ничай: Powiedziałem tylko, że być może. Предс. Więc pan twierdzisz tylko co do pierwszego. ПредсЪдатель звертаючись до г-жи Ольги Грабарь: Предс. Haben Sie verstanden? Ольга Гp. Alles. ПредсЪдатель кажетъ отчитати г-ну Илевичу отвЪтное мЪстце съ протокола росправы: „ O wynagrodzeniu była mowa, sty liżący i sobie nie przypominamy być może, że Mir. Dobrzański był podpisany, tego sobie nie przypominam." Ничай: Mówiłem, że sobie nie przypominam. Предс. Сóź było w pierwszym liście? Ничай: Tego nie mogę na pewno twierdzić. Предс. Może pan sobie przypomnisz, że był podjłis. Ничай: Nie mogę teraz wiedzieć. Предс. Więc teraz niewiein przez kogo był pisany. Ничай: I ja niewiem. Предс. Przeciwnie, pan powiedział stanowczo, że pani Olga Hrabar pisała, a pani Olga Hrabar powiedziała stanowczo, że nie wiedziała, by brat komu takie zlecenia dawał. Ничай: ничего не отвЪчаетъ. Предс. Sie haben hier gesagt, dass Sie davon gar nichts wissen und gewusst haben, dass Ihr Bruder diesen Herrn beauftragt hat, ihm Berichte nach Petersburg einzusenden. Ольга Гp. Das nicht. Предс. Es hat hier Herr Nyczaj gesagt, bei einem Verhör, dass Sie selbst den ersten Brief an ihn geschrieben haben, wo Sie ihn erinnerten, dem Bruder die Berichte einzusenden und wo Sie ihm auch das wiederholten, was der Bruder gesagt hat bezüglich des Honorars. Ольга Гp. Nein, den zweiten habe ich geschrieben. Предс. Bezüglich dessen, was der Herr Wladimir Naumowicz gesagt hat, habe ich Ihnen schon vorgehalten, dass er behauptet 5—6 Tage bei Ihnen gewesen zu sein Sie haben behauptet 10 Tage bis 2 Wochen. Ольга Гp. Ich kann mich nicht erinnern. Предс. Sie haben heute behauptet, dass Sie von Ihrem Bruder durch die Hand des Wladimir Naumowicz keinen Brief bekommen haben. Ольга Гp. Behaupte noch weiter. Предс. Wladimir Naumowicz hat aber ausgesagt, dass er Briefe von Miroslaus bekommen habe und Ihnen auch zugeschickt hat. Ольга Гp. Kann mich nicht erinnern. Предс. Namentlich an Sie und Kułaczkowski. Ольга Гp. Ich habe keinen Brief bekommen. Das war Unsinn. Предс. Eben deswegen macht sich die Sache verdächtig. Ольга Гp. Habe ich doch Briefe so oft bekommen. Предс. Eben deswegen ist es ja. Звертаючись до г-на Владимира Наумовича, задаетъ вопросы, що до писемъ полученныхъ нимъ оть г-жи Ольги Грабарь и нимъ писанныхъ, на которыи вопросы Влад. Наумовичъ отвЪчаетъ такъ якъ при сознаніи, съ початку росправы. Предс. Was weiter der Angeklagte Płoszczański gesagt hat, habe Ihnen schon vorgehalten, bezüglich der 10 Rubel, welche er Ihnen Namens des Bruders gegeben haben soll, und dann, dass er Sie einige Male besucht hat. Ольга Гp. Ich habe bereits gesagt, er war 2—3 Mal. Предс. Haben Sie ihn jedesmal gesprochen, wo er bei Ihnen war? Ольга Гp. Einmal in der Thür, einmal im Vorzimmer gesprochen. (Г-нъ Площанскiй |
|
112 |
перечитъ послЪднее заявленіе г-жи Ольги Грабарь.) Предс. Er hat gesagt, dass er öfters bei Ihnen im Hause war, sonst gar nichts, was Sie betrifft. Прокур. Sie haben bemerkt, dass die Briefe an Ogonowski, welche einzelne Artikel enthielten, rekommandirt waren. Ольга Гp. Ich habe den grössten Theil meiner Briefe rekommandirt. Прокур. Miroslaus Dobrzański correspon-dirt mit verschiedenen Personen, diese sandten die Briefe durch dritte Person, warum gingen auch Briefe anderer Personen durch Francisci? Ольга Гp. Davon wusste ich nichts. Прокур. Es ist ein Widerspruch zwischen Ihren Aussagen und den Aussagen des Herrn Wladimir Naumowicz und zugleich beruht der ganze Widerspruch auf einem Missverständnisse. Ich frage Sie nur, haben Sie Briefe von Ihrem Bruder Miroslaus aus Wien erhalten und zwar solche, welche in Wien aufgegeben wurden ? Ольга Гp. Nein. Прокур. Haben Sie auf die Poststampi-gle immer geschaut oder nicht immer? Ольга Гp. Das nicht. Прокур. War es möglich, dass ein Brief in Wien aufgegeben wurde? Ольга Гp. Das weiss ich nicht. Es war mit Abdruckssigel meines Bruders. Прокур. Schön. Ich frage, ob Sie die Poststampigle angeschaut haben. Предс. (Unterbricht). Wozu. Unter den rekommandirten Briefen, welche Frau Hrabar aus Wien erhielt, ist ein Brief aus Wien datirt 26. Dezember 1881 und damals war Wladimir Naumowicz nicht in Wien, er war auf Feiertagen zu Hause. Д-ръ Искр. Die Sachen verhalten sich so, er ist möglich, dass Miroslaus Dobrzański in Wien den Brief aufgeschrieben, dem Wladimir Naumowicz übergeben hat mit dem Auftrage, er solle ihn an Frau Olga Hrabar absenden. Naumowicz geht auf die Post gibt den Brief auf und Sie bekommt ihn (zur Hrabar) Sie wussten nicht, dass Wladimir Naumowicz den Brief bestellt hat. Ольга Гp. Wie konnte ich das wissen? Прокур. Es ist möglich, aber ich frage Sie, ob es Fälle gab, dass Sie vom Bruder bekommen haben. Предс. Wenn er rekommandirt wäre, wäre es möglich, aber ich habe konstatirt, dass aus Wien unter der Adresse „Olga Hrabar" nur ein Brief gekommen ist. Es können auch andere Briefe gekommen sein, höchstens wenn sie nicht rekommandirt wären. На томъ кончено переслуханье г-жи Ольги Грабарь въ 3/4 11 ч. Забираетъ голосъ д-ръ Лу-бинскій и говорить: Zgodnie z prośbą p. radcy dworu Adolfa Dobrzańskiego mam zaszczyt prosić Wysokiego Trybunału o zarządzenie stenograficznego protokołowania zeznań pana Adolfa Dobrzańskiego. Wprawdzie Obrona wniesła była z początku prośbę w tym duchu, jednakowoż dostała Obrona uchwałę, w myśl ustawy wymagającą złożenia z góry kwoty na koszta tego stenografowania. Otóż ja oświadczam niniejszem, żeśmy się ułożyli co do wynagrodzenia z panem profesorem stenografii Polińskim, tak, iż ten później nie będzie miał żadnej pretensyi z tego tytułu do Wysokiego Sądu i on jest gotów oświadczyć się w tym kierunku. Dlatego upraszam o powzięcie uchwały w tej sprawie. Прокур. Ustawa pozwala, więc się nie sprzeciwiam. Предс. Перерываетъ на 5 минутъ. Предс. Stosownie do wniosku szanownego pana Obrońcy Dr. Łubińskiego i zgodnego oświadczenia się pana Prokuratora i wskutek oświadczenia się pana Polińskiego co do podjęcia się tej sprawy Trybunał uchwalił przychylić się do prośby pana Obrońcy. СлЪдуетъ въ 3/4 11 ч. переслуханье г-на Адольфа Добрянского. Придворный совЪтникъ г-нъ Адольфъ Ивановичъ Добрянскiй, вшедши въ салю засЪданiй, занимаетъ мЪсто и сЪдаетъ. Предс. Sie werden, so wie die Vorschrift des Gesetzes lautet, stehend antworten; Sie haben die Aklage, welche vor einigen Tagen vorgelesen wurde, gehört, ich befrage Sie jetzt, was haben Sie darauf zu erwiedern und vor allem andern fühlen Sie sich schuldig oder nicht. Добр. Ich fühle mich nicht nur nicht schuldig, sondern ich sehe in der ganzen Anklageschrift gar kein mich gravierendes Moment. Ich würde daher, falls nur geprüfte Richter zu urteilen hätten, keinen Augenblick anstehen, über die Anklageschrift, ohne mich auch nur zu verteidigen, aburteilen zu lassen. D es sich jedoch hier nicht nur um mein Leben, sondern weit mehr, um meine Ehre handelt, und (zu Geschworenen Bank gewendet) weil aber von den Herr Geschworenen nicht jeder geprüfter Richter ist, erlaube ich mir den hohen Gerichtshof zu bitten, meine Verteidigung aus meinen Notaten vorlesen zu dürfen, um eine zusammenhängende Erklärung im Sinne der Strafprozessordnung §. 245 abzugeben. Предс. Wir kennen diesen Paragraph. Es heißt dort, das die bezügliche Entgegnung in einer zusammenhängender Erzählung vorgebracht, nicht aber vorgelesen werde. Добр. Für mich ist das eine hochwichtige Sache. Bei einer gewöhnlichen Verhandlung, wo die Anklageschrift im Sinne des Gesetzes kurz begründet ist, glaube ich auch wirklich, dass man nicht in die Lage käme, die Vertheidigung aus den Notaten vorzulesen. Hier ist aber der Umstand, dass die Begründung der Anklageschrift lange und sehr künstlich zusammengestellt, dass also, wenn ich im Zusammenhange etwas vorbringen wollte, von einem Erzählen keine Rede sein kann. Ich muss meine Vertheidigung gerade Punkt für Punkt der Anklageschrift entgegenstellen. Das ist mir indessen nicht möglich, auch wenn ich mich dem Gedächtnisse eines jungen Mannes begabt wäre. Wenn mir das nicht genehmigt werden sollte, so erlaube ich mir schon jetzt die Richtigkeitsbeschwerde anzumelden. Hier handelt es sich um mehr, als mein Leben, meine Ehre, die ich höher halte, als das Leben. Ich muss mich hier so vertheidigen, dass ich nicht nur Alles sage, um der Anklage zu entgegnen, sondern, dass ich die ganze Sache möglichst so charakterisiere, wie sie ist. Ich bitte daher, der hohe Gerichtshof möge mir erlauben meine Vertheidigung aus diesen Notaten vorzulesen. |
|
113 |
|
Защитникъ д-ръ Лубинскiй. Upraszam Wyski Trybunał i czynię wniosek, by oskarzonemu wolno było odpowidać na oskarzenie czytając. Ustawa tego wcale nie zakazuje. Powiada tylko „in einer zusammenhängenden Erklärung“, nie mówi zaś, że podsądny ma ustnie odpowiadać. Widocznie więc ustawa nie miała zamiaru odejmować oskarzonemu prawa odczytywania obrony ułożonej na piśme.
Прокур. Ja sądze, że zgodnie z ustawą, podsądny może się tłómaczyć tylko ustnie, bynajmniej z jakichś notatek. Punkt ciężkości jawności i ustności postępowania polega głównie na ustném tłómaczeniu się podsądnego. Sprzeciwiam się, aby podsądny tłómaczył się, odczytując spisane sobie notatki. Защ. д-ръ Лубинскiй. Zasadie ustności nie uczyni się ujmy, jeżeli podsądny odczyta to tak, aby wszyscy mogli słyszeć. Według ustawy, zdaniem mojem, nie koniecznie, podsądny musi się bronić z pamięci, może się także poslugować notatką, tego ustawa nie zakazuje, skoro niema powiedziano „mündlich darzustellen“. Akt oskarzenia sięga aż do roku 1848, podsądny więc, aby módz odpowiedzieć na wszystkie zarzuty, nie może to czynić z pamięci, a dla jego obrony jest to koniecznie potrzebne. Сов. Маевскiй (къ Добрянскому): Sind das Ihre eigenhändigen Notaten ?Добр. Meine eigenhändigen. Предс. (ПослЪ нЪсколькоминутного закрытiя засЪданiя для принятiя рЪшенiя, возвратившись опять в залу засЪданiй): Trybunał uchwalił odmówić wnioskowi tak oskarzonego jak i obrońcy, mianowicie nie dozwala wyczytanie obrony czytanej przy rozprawach, które mają być publiczne, ustne i jawne. Oskarzony może zużytkować notatki swoje wglądając w nie, gdzie mu pamięć nie dopisze (къ подсудимому, повторяючи рЪшенiе сье по нЪмецки): Sie können von Zeit zu Zeit Einblick nehmen in Ihre Notaten. Защ. д-ръ Лубинскiй. Zastrzegam sobie z tego powodu wniesienie zażalenia nieważności. Предс. (къ Добр.). Dobrze. Подсудимый Добр. Bevor ich noch eine zusammenhängende Darstellung zu geben mir erlaube, kann ich nicht umhin, Einiges zu erwähnen und zwar zuerst die Ursache, warum ich nicht gegen meine Verhaftung eingeschritten bin. Ich habe dies in meiner in den Verhandlungsakten erliegenden Bittschrift an den hohen Kassationshof dargestellt. In dieser Bittschrift habe ich Formalfehler angegeben. 1) Dass mir der Bescheid über die Verhaftung zu spät eingehändigt wurde; 2) dass ich ihn in der polnischen Sprache erhalten habe. Es lag mir daran meine Vertheidigung in der deutschen Sprache zu führen und zwar aus dem Grunde, dass dieselbe in höchster Instanz von unparteiischen Richtern aller Nationalitäten im Original gelesen werden könne. Der Grund, warum ich diese Eingabe zurückgezogen habe, war der, dass ich von meinem Rechtsanwalt erfahren habe, dass durch dieses Einschreiten die Sache verzögert würde. Ich habe dies auch mit Rücksicht auf die anderen Angeklagten gethan, die sich geeinigt haben, die Sache nicht zu verlängern. Warum ich mich in deutscher und nicht in russischer Sprache vertheidige, ist nicht nur der Grund, dass diese Vertheidigung der höchsten Instanz geläufiger wird, aber auch der Grund, dass ich meine Sprache nicht gerne verunglimpfen lasse. Ich weiß, dass jeder Pole sich beleidigen würde, wenn man seine Aussagen – beispielsweise im Posenschen mit deutscher Orthographie schreiben würde, eben so wie ein Deutscher in den Ostseeprovinzen sich beleidigen würde, wenn man seine Aussagen in deutscher Sprache, aber mit russischen Lettern niederschreiben würde. Es ist noch etwas anderes, die ganze Anklageschrift ist voller philologischer Abhandlungen. Ich möchte daher nicht gerne dazu Veranlassung bieten, dass man mich jedesmal wenn ich in der Verhandlung einer wissenschaftliche Frage ein der Wissenschaft entnommenes Wort gebrauche, darauf hinweise, der Bauer in dem oder jenem Dorfe spricht nicht so, der Bauer versteht nicht, ich sei unverständlich. Jetzt bezüglich der Kerkerhaft. Wenn ich mich gegen dieselbe beschwert habe, so that ich das nicht gegen die Art und Weise der Haft. Ich muss sagen, dass die Anstalt eine Musteranstalt ist. Ich habe mich nur beschwert, dass ich fünf Monate verhaftet war. Dann muss ich noch nach §. 207 auf die übermäßige Länge der Anklageschrift hinweisen und auf §. 183, wonach die Ehre des Verhafteten gewahrt werden soll. Wenn ich schon nicht vorlesen darf, so werde ich mir erlauben, die Sache so vorzutragen, wie ich überhaupt mündlich im Stande sein werde, bitte daher mir nicht übel zu nehmen, wenn ich langweilig werde, mir Wiederholungen zu Schulden kommen lasse, oder mir ein Ausdruck entschlüpft, den ich, wenn ich überlegen möchte, vermeiden könnte. Die in der Begründung der Anklageschrift die löblichen Anwaltschaft erwähnte Tatsache, dass die Erblande des österreichischen Kaiserstaates oder eigentlich der Hausmacht unserer allerdurchluchtigsten |
|
114 |
habsburgischen Dynastie, aus welcher unter Weiland Kaiser Franz, anfangs dieses Jahrhunderts der österreichische Kaiserstaat, und seit 1867 die österreichisch-ungarische Monarchie gebildet wurde, seit „Jahrhunderten“ verschiedene Volksstämme in sich vereint, kann eben so wenig bestritten werden, als die weitere Thatsache, dass die jeweiliger Herrscher, dieses ausgedehnten Ländercomplexes, wie es bei Monarchen von Gottes Gnaden nicht anders erwartet werden kann, den billigen Anforderungen jedes einzelnen Volksstammes nach Möglichkeit gerecht zu werden verstanden und dadurch bei ihren Unterthanen verschiedener Nationalitäten und Religionen, Liebe und Anhänglichkeit an das Kaiserhaus, daher folgerichtig, ein so starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit erweckten, dass die Monarchie nach jeder noch so harten Prüfung sich um so mehr zu kräftigen, zu befestigen im Stande war. Ein tieferer Blick in die Geschichte Österreichs lässt aber auch darüber keinen Zweifel aufkommen, dass unter den verschiedenen Volksstämmen Österreichs einige, was angesichts ihrer, von einander abweichenden individuellen Anschauungen und Gefühle nicht auffallen kann, durch mehr weniger wiederholte Aufstände der Monarchie arge Verlegenheiten und Schäden zuzufügen in die Lage kamen, während andere, ungeachtet aller Prüfungen und Verlockungen, selbst unter den schwierigsten Verhältnissen nie in ihrer Treue wankten und zu diesen letzteren zählen neben den tirolern Deutschen und Romänen, die laut der Anklageschrift der Monarchie gefährlichen oder doch als verdächtig dargestellten slavischen Volksstämme; insbesondere aber der Ostgalizien, Nordungarn und den Norden Bukowinas bewohnende 3 ½ Millionen zählende, theils der griechisch-unirten theils der griechisch orientalischen Kirche angehörige russische Volksstamm. Die Anklageschrift verschweigt diese weitere geschichtliche Thatsache, dass zur Erhaltung, Kräftigung und Vergrößerung der Monarchie die eigenen Kräfte nicht immer ausreichten, dass es daher ein wesentliches Verdienst der Herrscher Österreichs war und bleibt, mit auswärtigen Staaten dauernde und vortheilhafte Bündnisse abzuschliessen, und dass unter diesen Bündnissen jenes mit Russland nicht nur das aufrichtigste und festeste, weil nie durch ernste Kriege getrübt, sondern auch das segenreichste war. Der durch die heilige Allianz zwischen Österreich, Russland und Preussen, - viele erinnern sich nicht mehr, aber ich erinnere mich,- den Völkern Österreichs gesicherte 30 jährige Friede, welcher nebst einer fabelhaften Sicherheit, den allgemeinen Wohlstand, die Künste und Wissenschaften fördernd, die ruhige nachhaltige Entwickelung der einzelnen Volksstämme und Religionsgenossenschaften gewährend, die Grundlage der damaligen Entwicklung der Industrie, die Kohlenschätze Böhmens, Mährens, Schlesiens, Ungarns erschliessend und die allmächtige Entlastung des Grund und Bodens vorbereitend, solche Finanzzustände schaffte, dass unmittelbar vor 1848 eine kaum nennenswerte Staatsschuld, dafür aber bei sehr geringen Steuern eine stets vollgefüllt Staatskasse und ein nahmhaftes Staatsvermögen in liegenden Gütern, Bergwerken und Eisenbahnen vorhanden war und eben deshalb bei einem massenhaften, mitunter sogar unbequemen Verkehr von Silber und Goldmünzen die österreichische Papierrente mit 14% über dem Nominalwerth gezahlt wurde. Das waren unsere finanziellen Zustände, und der daraus hervorgegangene eminente politische Welteinfluss Österreichs und nicht nur in Deutschland und Italien, sondern überall, was vielen jetzt nicht verständlich ist. Für meine Behauptung erlaube ich mir auch andere Gründe anzuführen. Österreich hat im Bunde mit Russland nicht nur sich, sondern ganz Europa von Zwangsherrschaft des ersten napoleonischen Kaiserreiches befreit, hierauf im Jahre 1849 den ungarischen Aufstand gedämpft und dann 2 Jahre später zu Olmütz eine ihm zugedachte, folgenschwere Demüthigung, ohne seine Völker die Schrecken des Krieges fühlen zu lassen, zurückgewiesen. Im Einvernehmen mit Russland hat Österreich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Herzogthum Bukowina und die Königreiche Galizien und Lodomerien, im Jahre 1846 das Krakauer Gebiet, neuester Zeit aber, gleichsam als Ausfluss des Dreikaiserbundes das Königreich Bosnien nebst der Herzegowina, daher im Ganzen einen sehr bedeutenden etwa den 7ten oder 8ten Theil seines Gesamtterritoriums betragend und in jeder Beziehung wichtigen, fruchtbaren auch gut bevölkerten Ländercomplex erworben, beziehungsweise revindicirt. Diese in der Anklageschrift verschwiegenen, jedoch im frischen Andenken der Bevölkerung fortlebenden Thatsachen sind aber nicht nur behufs näherer Beziehung der Volksstämme im Inneren und der Bündnisse nach Aussen, mit deren Hilfe Österreich, ungeachtet aller Prüfungen, immer mehr gekräftigt und vergrössert hat, sondern auch deshalb unerlässlich, weil sie einerseits Zeugnis dafür ablegen, dass de Nationalitätenfrage nicht etwa, wie in der Anklageschrift behauptet wird, erst in der 2. Hälfte dieses Jahrhundertes an die Tagesordnung kam, sondern wie überall auch bei uns seit jeher naturgemäss bestanden hat, und weil sie die Annahme des Herrn Staatsanwaltes, als wäre das benachbarte Russland der Erbfeind Österreichs, auf welche sich die ganze Anklageschrift gründet, widerlegend auch sonst zur Illustration der eingenthümlichen Richtung der ganzen Anklageschrift unerlässlich erscheinen. – Die Nationalitätsfrage musste, seit dem überhaupt verschiedene Sprachen, Religionen und Gebräuche unter den Menschen giebt, naturgemäß bestehen, wie uns dies schon die Geschichte des babylonischen Thurmbaues versinnlicht, überdies die Geschichte der Hebräer und Egypter, der Assyrier, Parter, Meder und Perser, der Griechen und Römer, der Germanen und Kelten oder Gallier, ja um nicht immer in der Ferne zu schweifen, die Geschichte der Kriege der Slaven und zwar selbst unter einander, wie beispielsweise die Geschichte der Kriege zwischen den Bruderstämmen der Polen und Russen, zur Genüge bekundet. Mit Hinblick auf diese Kriege hat sich das alte lateinische Sprichwort „Rara concordia fratrum“ als ganz richtig |
|
115 |
erwiesen und erinnert dieselbe unwillkührlich an die seinerzeit durch ihr Ansehen unter den Griechen hervorragenden Staaten Athen und Sparte, welche gleichfalls einer und derselben Abstammung, unablässig über den Vorrang unter den Griechen stritten und einander befehdeten „de principatu inter Graecos contendebant.“ Innerhalb der österreichischen Monarchie finden wir bei allen Volksstämmen seit jeher ein mehr weniger reges nationales Leben, welches kleinen Volksstämmen mittelst einzelner landesfürstlicher Privilegien ausdrücklich gesichert und gegen jeden Angriff vertheidigt wurde. In Siebenbürgen musste jeder der drei Nationen ihre Vertreter nicht nur im Landtage, wo sie unsprünglich curiatim stimmten, sondern auch bei den Landesbehörden haben. Die Kroaten hatten ihren eigenen provinzielen Landtag und ihre eigene Banal-Regierung, die Serben ihren nationalen Congress. Die Deutschen, die Czechen, die Slovaken, Romänen, Slovenen und Italiener entwickelten fortwährend eine nachhaltige Thätigkeit, indem sie nationale Entwickelung des Volkes förderten und jeden Uebergriff anderer Nationalitäten abwehrtenБ und selbst in Galizien ruhte die Thätigkeit der beiden Volksstämme keinen Augenblick, wie dies die fortwährenden rituellen und nationalen, insbesondere die Streitigkeiten in Betreff der Volksschulen, dann die bei den beiden Nationalitäten des Landes in ganz entgegengesetzter Richtung sich kundgebende Haltung in den Jahren 1809, 1831, 1846, 1848 und 1863, so unumstößlich erwiesen, dass schon früher der lemberger römisch-katholische Erzbischof Graf Sierakowski, ein genauer Kenner der Verhältnisse und tiefer Denker sich veranlasst sah, in einem Schreiben an den apostolischen Nuntius Garampi vom Jahre 1773 die wol etwas übertrieben Ansicht auszusprechen, dass die Abneigung nicht nur zwischen den beiderseitigen Clerus Galiziens, sondern auch zwischen den beiden Volksstämmen so tiefe Wurzeln geschlagen hat, dass diese keine Macht zu beseitigen vermag. Nur das acute Auftreten der Nationalitätenfrage, welche z.B. in Irland schon seit lange sich bemerkbar macht und bis nunzu dauert, ja sich angesichts der in England üblichen, so genannten verantwortlichen, richtiger Perteiregierung immer mehr zuzuspitzen scheint, ist in Oesterreich erst im Jahre 1848 aufgefallen, weil in Folge der Umsturzversuche mehrerer durch das böse Beispiel der Franzosen bethörten, theilweise sogar von auswärtigen Staaten in ihrem Vorhaben unterstützten Volksstämme die Macht des über den Partheien stehenden Herrschers längere Zeit hindurch gelähmt ward; daher in Ermangelung des vom Herrscher bisher Allen gleichmäßig gewährten Schutzes, jeder einzelne Volksstamm auf die möglichste Entwicklung seiner eigenen Kräfte angewiesen war, um nicht von anderen Volksstämmen entweder zu den ihm fremden Umsturzzwecken missbraucht, eventuell anderweitig bedrückt oder gar erdrückt zu werden. Diese unbestreitbare, zugleich einzig naturgemäße Genesis der 1848 und 1849er Revolution, bezüglich Contrarevolution, so wie der gesammten damaligen Bewegung, also das plötzlich bemerckte Acutwerden der Nationalitätenfrage in Oesterreich lässt aber die in gewissen Kreisen beliebte Annahme aufkommen, als seien die in der Anklageschrift so sehr verdächtigten slavischen und romanischen Volksstämme behufs Dämpfung der von anderen unternommenen Umsturzversuche, durch die sogenannte wiener Camarille, beziehungsweise deren Organe, speziell unser Volksstamm durch den Grafen Stadion, zur Geltendmachung ihrer nationalen [???F] Fristenz angeeifert, ja sogar genöthigt worden, welche Annahme ebenso ungegründet um nicht zu sagen lächerlich erscheint, als wenn demselben Grafen Stadion oder dem serbischen Patriarchen Rajacsics, eventuell dem croatischen Banus Baron Jelacsics, Grafen Leo Thun, Palacky und anderen zu jener Zeit begeiserten, jedoch meiner Ansicht nach ebenso hochbegabten als hochverdienten Staatsmännern auch die nationale Bewegung der Irländer vielleicht noch zu Zeiten O-Cormells zugeschrieben werden wollte. Sollte über diese, wie gesagt, einzig naturgemäße Genesis der 1848. und 1849er Wirren in Oesterreich noch der geringste Zweifel obwalten, so lässt denselben der allgemein bekannte, noch im frischen Andencken der damaligen Generation lebende Umstand, dass sobald die Macht des Monarchen von Gottes Gnaden erstarckt und seine Behörden mit Schluss des Jahres 1851 organisiert, daher alle Volksstämme sicher waren, von dem über den Parteien stehenden Herrscher in ihren Rechten beschützt zu werden, das acute Auftreten der Nationalitätenfrage sich sofort wieder gelegt und zwar, wie ich mir zu betonen erlaube, selbst in den italienischen und deutschen Provinzen gelegt hat, zumal die in den italienischen Provinzen später aufgetauchten Kriege sammt ihren Consequenzen lediglich als Ausfluß eines von der Nationalitätenfrage kaum beeinflussten, wol aber die Schwächung Oesterreichs um jeden Preis anstrebenden Bündnisses zweier verschiedenen Nationalitäten angehörigen Mächte, in Betracht kommen, während die hinsichtlich ihren geistigen Interessen früher und auch dermalen einige und einheitliche deutsche Nation durch den Krieg vom Jahre 1866 und selbst durch den deutsch-französischen Krieg politisch durchaus nicht geeinigt, vielmehr die in früherer Zeit im deutschen Bunde gewahrte politische Einheit geradezu entzweigerissen wurde, weil eben die Deutschen Oesterreichs ihre Interessen zu Haufe genügsam geschützt wussten. Selbst unter der constitutionellen Regierun |